Review: FUCKING BERLIN

Mathestudentin Sonja (Svenja Jung) ist neu in Berlin. Die Stadt ist für sie ein Rhythmus in Endlosschleife, dem sie sich hingibt. Als sie sich in Ladja verliebt, scheint alles möglich. Beide spüren den gleichen Beat und tanzen sich durch die Nächte, bis sie pleite sind und Sonja neugierig ist, wie weit sie für Geld gehen würde. Als ‚Mascha‘ steigt sie als Web-Stripperin ein, testet ihre Grenzen aus und macht in der ‚Oase‘ bald alles mit. Ein Doppelleben beginnt …

Regie: Florian Gottschick Darsteller: Svenja Jung, Christoph Letkowski, Mateusz Dopieralski, Charley Ann Schmutzler u.v.a. Nach dem gleichnamigen Bestsellerroman von Sonia Rossi

FUCKING BERLIN, klingt als Filmtitel, besonders für einen deutschen Film, erstmal „provokant“.  Jetzt nicht unbedingt für mich, aber bestimmt für den Mainstream und das Establishment. Natürlich basiert der Titel auf der gleichnamigen Buchvorlage „Fucking Berlin“, die bei ihrem Erscheinen genauso provokant daherkam. Das kann ja im Buch vielleicht so gewesen sein, der Phantasie sind ja angeblich keine Grenzen gesetzt (ich versuche das Wort Kopfkino zu vermeiden, mag ich gar nicht das „Unwort“) und viel vom den Autobiografisch geschilderten kann „provokant“ und „verrucht“ rüberkommen.

Nicht so in dieser Verfilmung. Liegt es an der Regie von Florian Gottschick, dem Drehbuch von (ich musste lange nach den Drehbuchautoren Namen suchen) Gottschick, Buchautorin Sonia Rossi, Sophie Luise Bauer, Leonie Krippendorff und Dominik Stegmann (sehr viele Autoren…) oder den darstellerischen Künsten der drei Hauptfiguren? – dazu kommen wir später und auch auf die Frage ob das überhaupt drei Hauptfiguren sind.

Um eins klarzustellen: ich mag es nicht schlecht über Filme zu sprechen. Jeder Film, der fertig geschrieben, produziert und inszeniert wurde, verdient meinen uneingeschränkten Respekt. Genauso wenig spreche/schreibe ich gerne über schlechte Filme. Wenn sie „schlecht“ sind – was ja nur eine Ansichtssache ist – haben sie es auch nicht verdient, dass man/ich sich damit auch nur ein paar Sekunden befasst. D.h., da ich hier über FUCKING BERLIN schreibe, handelt es sich nicht um einen schlechten Film. Ein ausgesprochen guter ist er aber auch nicht. Und das liegt hauptsächlich daran, dass der Film nicht genau weiß was er sein will.

Es gibt Momente die eher nach einer kuscheligen romantischen Geschichte klingen, dann wieder (viel zu wenige) ernste/bedrohliche Momente und dann wieder Momente aus einem Imagefilm für Berlin.

Und da schwappt ein wenig das „Amateur-Feeling“ (und damit meine ich nicht den Film als ganzes) rüber: 

als ich vor Jahren in New York Film studierte, war eine der Aufgaben einen kurzen Stummfilm zu drehen. Die Aussage meines Dozenten nach der Sichtung des Films in der Klasse: „mal wieder ein Werbefilm über New York“.  Anscheinend gehen Filmemacher an „Anfang“ los und shooten ganz bestimmte Orte einer Großstadt. Somit waren – natürlich – das Empire State Building, die Zwillingstürme und die Brooklyn Bridge in meinem Kurzfilm. Für jemanden den dort eigentlich nicht wohnt, ist das auch was besonders und eben klischeehaftes.

Ich gehe mal davon aus, dass die Macher von FUCKING BERLIN in und um Berlin herum leben, bzw. Berlin sehr gut kennen. Muss dann der Alexanderplatz (mehrmals), der Fernsehturm (mehrmals) und alle anderen typischen Orte zu sehen sein?

Ich lebe nicht in Berlin und kannte eigentlich alles was zu sehen war. Sollte so eine Geschichte nicht eher ein „versteckteres“ Berlin zeigen?  Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Romanvorlage so liest. Oder wurde der Film für den internationalen Markt so gedreht, damit „die Welt“ Berlin erkennt?

Jedenfalls hat mich das sehr aus der Handlung gerissen. Genau wie die viel zu laut abgemischten Songs, die viel lauter waren als der Dialog.  (Anm. da ich eine Pressekopie gesehen hab, weiß ich jetzt nicht ob es nur daran lag.)

Ansonsten folgt das Drehbuch (wie gesagt, ich habe den Roman nicht gelesen um vergleiche zu ziehen) sehr dem „Heldenreise“ Prinzip (filmschreiben.de/die-heldenreise). Man kann die Stationen nach der Uhr stellen.

Exakt in der Mitte des Films (der Midpoint) zieht sich unsere Hauptfigur Sonja eine Perücke über den Kopf und wird zu Mascha – ein Moment der zwar diese Faszination des gefährlichen zeigen sollte, aber eher wie eine Superhelden Verwandlung wirkt. Liegt aber auch an der Kuscheligkeit des Etablissements/Bordells in dem Sonja/Mascha arbeitet: nie kommt auf dass es kein Spaß ist eine Prostituierte zu sein.

Alles ist super, alle freier sind nette Onkels, man erkennt sich auf der Straße – alles fein. Ganz kurz wird „Gefahr“ angedroht, in den immer wieder, ok dreimal, was „bedrohliches“ auf unsere Heldin zukommt. Dann ist ihr „böser“ Freier plötzlich Business-Man und auch noch dunkelhäutig – man beachte:  alle „netten“ Freier Onkel waren ausnahmslos „deutsche nette Onkel“.

Die Sexszenen:

weder provokant, noch innovativ, noch einnehmend. FUCKING BERLIN hat mich stellenweise an FEUCHTGEBIETE erinnert, aber eher im „Ich will auch so sein wie der Film“ Stil.

Zu den Schauspielern ist es schwieriger was zu sagen.

Hauptdarstellerin Svenja Jung, hat sehr viele tolle Momente, aber ihre Darstellung der Sonja/Mascha schwenkt eben wie der Film an sich. Manchmal kommen Momente auf, in denen ich glaube, dass sie alles, auf ihrer Heldinnenreise selber lenkt und im Griff hat, aber im nächsten Moment wird diese Idee verworfen und ihre Charakter ist entweder 2 Schritte zurück oder ein paar Seitschritte nach links gegangen.

So hat man, nach dem Film, auch kein richtiges „Lektion erlernt/neue Sicht der Dinge“ Gefühl.   

Das klappt dann eher mit den beiden männlichen Nebenfiguren, gespielt von Mateusz Dopieralski und Christoph Letkowski.

Beide holen das Beste aus ihren wenigen Momente raus. Bei beiden männliche Neben-Parts, habe ich mir beim gucken gewünscht, dass dieses Buch eher als PayTV Mehrteiler verfilmt worden wäre. Das hätte der Handlung guckt getan, der Stimmung und eben der Figurenentwicklung.

FAZIT: Nun klingt das alles nicht unbedingt super, aber falls ihr mal wieder einen deutschen Film sehen wollt, eine Jungschauspielerin entdeckten wollte, die evtl. in einem anderen Film groß rauskommen wird und Berlin-bei-Nacht Aufnahmen, dann unbedingt FUCKING BERLIN gucken. fuckingberlin.com

Noch eine Anmerkung zum Schluß: wie kann es sein, dass ich nicht sofort die Namen der Drehbuchautoren finden konnte? Nicht mal auf der offiziellen Website?

Natürlich kann man den Namen der Buchautorin und hierbei Hauptcharakter nennen, aber was ist mit den Autoren die aus dem Roman ein Drehbuch erstellt haben? Die sind doch für einen FILM genauso wichtig wie der Regisseur?

greekgeek, 10.10.2016 

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