Review: THE BLACK DAHLIA (2006)

Regisseur Brian De Palma ist ein Meister seines Fachs – berühmt wurde er mit klassischen Krimis wie „The Untouchables – Die Unbestechlichen“, „Scarface“ und „Carlito’s Way“, aber auch mit seinen spannenden Thrillern „Carrie“, „Dressed to Kill“ und „Blow Out“. Diesmal inszeniert er die Kinoversion des erfolgreichen Kriminalromans von James Ellroy („L.A. Confidential“, „Dark Blue“).

„The Black Dahlia“ erfindet eine Geschichte von Leidenschaft, Liebe, Korruption, Habgier und Laster, beruft sich dabei aber auf den wahren und bis heute nicht aufgeklärten Fall eines hoffnungsvollen Hollywood-Starlets, dessen brutale Ermordung 1947 ganz Amerika schockierte und faszinierte. Zwei Cops, die Ex-Boxer Lee Blanchard (Aaron Eckhart) und Bucky Bleichert (Josh Hartnett), untersuchen den Mord an der ehrgeizigen B-Film-Aktrice Betty Ann Short (Mia Kirshner) alias „Schwarze Dahlie“ – das Verbrechen wurde derart grausig ausgeführt, dass die Fotos vom Tatort unter Verschluss bleiben.

Während Blanchard sich so intensiv in den Sensationsfall verbeißt, dass seine Beziehung zu Kay (Scarlett Johansson) darunter leidet, fühlt sich sein Partner Bleichert von der rätselhaften Madeleine Linscott (die zweifache Oscar-Preisträgerin Hilary Swank) angezogen: Sie stammt aus einer sehr prominenten Familie und hatte zufällig ein anstößiges Verhältnis mit der Ermordeten.

In De Palmas Filmfassung von Ellroys „The Black Dahlia“ verweben sich Wahrheit und Legende.

Review

„Nothing stays buried forever. Nothing.“ – Ofcr. Dwight „Bucky“ Bleicher

Um einen Brian DePalma Film „richtig“ zu sehen, muß man den jeweiligen Film mindestens drei Mal gesehen haben. Am besten einmal ohne Ton, damit man seine Arbeit besser sehen kann

Es sind mittlerweile wieder 4 Jahre seit seinem letzten Film FEMME FATALE vergangen.

Obwohl es zügig losging mit den Dreharbeiten zu THE BLACK DAHLIA verzögerte sich der Verkauf und der Verleih des Films. Im Abspann sieht man auch, dass der Film aus dem Jahre 2005 ist – d.h. das er ca. 2004 gedreht wurde

Nun ist er da, der neuste DePalma Thriller! Und das Warten hat sich gelohnt!!

Besetzung Klasse, optisch perfekt, ein verstricktes Drehbuch – alles was man von einem Krimi erwarten kann.

Die Rahmenhandlung basiert zwar auf eine wahre Begebenheit, die Story ist aber nach einem Roman von James Ellroy adaptiert, d.h. die Charaktere die hier auftauchen sind fiktiv und haben nichts mit den echten Personen, die mit im Fall „Black Dahlia“ verstickt waren, zu tun

Die Männerfreundschaft zwischen den beiden Polizisten Dwight „Bucky“ Bleichert (Josh Hartnett) und Leland „Lee“ Blanchard (Aaron Eckhardt) funktioniert großartig, hätte aber noch ein paar Szenen vertragen können. Die Dreiecksbeziehung zwischen den beiden und Blanchards Frau Kaye Lake (Scarlett Johansson) ist perfekt.

Hier klappt in wenigen Momenten im ersten Akt, mit ein paar Dialogen und Nahaufnahmen (sehr schön wenn Kaye zu Bucky sagt „Look at that smile now“ wenn sie sieht wie er sich freut sie zu sehen) mehr als in drei Stunden PEARL HARBOR!

Drehbuchautor Josh Friedmann (Drehbuch zu Spielbergs WAR OF THE WORLDS), zieht aus dem ein wenig zu überladenen Roman von Ellroy, das beste und wichtigste raus und nutzt es für seine Story. Der Fall „Black Dahlia“ startet auch erst im 2. Akt.

Großartig eingeläutet wird das ganze mit einer komplexen Kamerafahrt, wie sie sich nur DePalma ausdenken kann!

Bevor die Leiche entdeckt wird müssen unsere beiden Cops durch eine perfekt inszenierte Schießerei (nicht das dunkle rumgeballere eines Michael MIAMI VICE Mann, sondern eine echte Krimi-Schießerei) in den Dinge passieren die wichtig für einen bestimmten Handlungsstrang sind

Ich kann auch nicht viel verraten, da ich – um jemanden den Spaß zu verderben – viel zu weit ausholen müßte

Die Rückblenden mit der ein wenig kindhaft-erotischen (ja es klingt merkwürdig) Elizabeth Short, später bekannt als Black Dahlia, werden von Mia Kirschner (Short) mit einer laszivität gespielt, die uns alle zu Voyeuren werden läßt. Der kleine Zusatz, dass der Interviewer in diesen „Casting“ Filmchen in denen sie auftaucht, von DePalma selber gesprochen wird, verdreht alles in eine Richtung, die das ganze Werk des Regisseurs auffahren läßt

Die Darsteller:

Josh Hartnett – Top Casting!

Hatte erst Befürchtungen, aber spätestens seit SIN CITY kann man sich auf ihn verlassen.

Aaron Eckhardt – hat sich seit THANK YOU FOR SMOKING (jetzt im Kino) bei mir hochgespielt. Wußte nicht, dass er eher eine Nebenfigur in diesem Film ist. Bitte mehr

Scarlett Johansson – klasse wie immer

Hilary Swank – es war mir noch nie bewußt, dass Swank so weiblich sein kann

Mark Isham komponierte die Musik zu diesem Film – und was für ein toller Score es geworden ist.

Die Musik erinnert an viele Klassiker dieses Genres, ob sie von Bernard Herrman oder David Raskin (LAURA von Otto Preminger) geschrieben worden sind, oder die beiden Meisterwerke von Jerry Goldsmith CHINATOWN und L.A. CONFIDENTIAL

Bester (bis jetzt) Soundtrack des Jahres!

Ishams Melodien klingen wie eine Fortführung der Goldsmith Musik zu den Filmen von Roman Polanski bzw. Curtis Hanson

Überhaupt fühlt sich THE BLACK DAHLIA sehr L.A. CONFIDENTIAL verwandt. Somit haben wir jetzt zwei großartige James Ellroy Verfilmungen

Bis jetzt ist THE BLACK DAHLIA einer der allerbesten Filme des Jahres… und ich muß ihn ja noch ein paar mal gucken. Wer weiß was DePalma noch so versteckt hat

THE BLACK DAHLIA ist sehr empfehlenswert – ob man nun von Großmeister DePalma mal wieder was neues lernen möchte, oder einfach zwei Stunden sehr gut unterhalten werden will.

GreekGeek August-2006

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